Reisebericht zur 1. Kakteenreise – eine Reise zu den Sclero- & Pediocactus
19. Green River, Powell Museum & Visitorcenter, Sandsturm bei Hanksville, der beste Kakteentag meiner Reise, "Capitol Reef“, Fahrt nach Torrey
6.30Uhr war Aufstehen im „Super 8“ in Green River angesagt. Hier gab es auch ein kleines kontinentales Frühstück der üblichen Art.
Bemerkung: Das Motel hat auch ein Schwimmbad, wie viele Motels/Hotels auch, welches dermaßen mit Chlor verseucht ist, das der Gestank durch das ganze Haus zieht und solch eine Giftquelle in Deutschland garantiert geschlossen werden würde. Chlor pur!
7.30 saß ich im RAV4 und fuhr durch Green River, sah mir den Ort an und fand das Powell-Museum & Visitorcenter. Vor dem Eingang warteten bereist zwei Amis, die wollten zum Crystal Geysir. Nach einem kurzen Schwatz mit dem Beiden kam die 1. der Angestellten des Museums und begrüßten uns zu so früher Stunde.
Nach einem Rundgang durch das Museum kaufte ich dort Postkarten, die in den USA recht eigenartig sind, staubte kostenloses Material aller Art ab und fragte nach Dinotraps, da in eben diesen Museum daraufhin gewiesen wurde! Eine der beiden älteren Frauen meinte, sie selbst war bei einem Fundort kurz nach 70 in Richtung Moab. Im „Forum Discover Amerika“ konnte der Standort und Wegbeschreibung durch die Mitglieder gefunden werden.
Ich verließ Green River auf der 70West und bog links weg zur 24 in Richtung Hanksville. Um diese Uhrzeit war ich dort allein und fuhr einsam die Straße runter. Unterwegs machte ich einen Fotostop, parkte am Straßenrand mein Auto. Hier kam eines der wenigen anderen Autos auf der Stecke gefahren und hielt mir gegenüber an. Ein älterer Amerikaner stieg aus, kam zu mir über die Straße und fragte ob er mir helfen könne! Man stelle sich das mal in Deutschland vor…
Nein danke, sagte ich, ich mache hier nur ein paar Bilder. Wir kamen ins Gespräch und er stellte mir seine Beifahrerin, eine Japanerin, als seinen Besuch vor. Er zeigte der Frau gerade die USA, sie machen eine Rundreise. Hier kann es zu einem japanisch-deutschen-amerikanischen Treffen in einsamster Gegend. Die Mischung hat, historisch gesehen, schon was an sich.
In Hanksville war Tanken angesagt, ich gab in der Post meine Postkarten auf und suchte das Grundstück auf wo Dino-Skulpturen rumstehen sollten. Diese habe ich im Internet gesehen und wollte diese nun live sehen. Leider gibt es den Künstler scheinbar nicht mehr, die Skulpturen lagen umgefallen im Grundstück, welches überhaupt nicht mehr sehr bewohnt aussah. Schade. Dafür fand ich einen recht suspekten „Mineralien-Laden“ in dem jeder der einmal dort in Hanksville ist reingehen sollte. Hanksville, auf der Landkarte ein großer Punkt in der Weite, in echt…
Ich sah im Ort einen riesigen Truck fahren, V8 Maschine an Bord, etliche Liter Hubraum, scheinbar PS ohne Ende – und zwei Rentner als Insassen, Latzhose, Basecap, zusammen 170Jahre alt. Dort waren glaube 25 Meilen erlaubt, korrigiert mich bitte wenn es falsch ist. Zu was brauchen die Beiden diesen Benzinfresser? Aber auch egal…
Ich steuerte meinen nächsten Kakteenstandort an. Hier sollte Pediocactus bradyi var. winkleri zu finden sein. Ich fuhr vor dem Capitol Reef von der 24 runter ins Gelände, navigierte dort so gut es eben ging zum Standort. Dort angekommen parkte ich das Auto, packte meine Ausrüstung, das GPS und stelle meine genaue Position fest. Ich war nur 41m von Ziel entfernt. Gut, ein paar Meter Abweichung zu den GPS-Koordinaten sind normal, ich packte das GPS wieder ein und ging los – und fand frische Fußspuren im sehr weichen Sand. Die waren noch ganz frisch, die Ränder nicht verweht oder so. Hier war schon einer vor mir da! Und was außer den Kakteen sucht jemand in dieser Gegend? Bitte. In der Hoffnung das mein „Vorgänger“ wusste was er sucht ging ich seiner Spur nach – und kehrte nach einem großen Kreis wieder zum Ausgangspunkt zurück. Schei… nix mit Kakteen!
Jedoch war der Kreis höchstens 25m groß, also konnte hier von einer richtigen Suche keine Rede sein. Ich ging der Einfachheit durch eine kleine Senke mitten im Kreis – ich lief die ganze Zeit in der Senke durch die gesuchten Kakteen und habe sie nicht gesehen! Und das mit Blüte! Ich stand mittendrin!
Hier sagte ich: die Reise hat sich allein mit diesem Standort gelohnt. Hier waren Kakteen, welche selten zu finden sind, dabei in voller Blüte – einfach nur ein Traum!
Die Kakteen, Pediocactus bradyi var. winkleri, selbst sind grüne, einzelne, selten gruppenbildende Pflanzen. Der Körper ist kugelig bis eiförmig und erreicht Wuchshöhen von 3,5 bis 5 cm mit Durchmessern von 2,5 bis 5 cm. Die unverzweigte Wurzel ist rübenförmig. Auf den zylindrisch-ovalen Warzen befinden sich elliptische, zottige, weiße oder gelbliche Areolen aus denen sehr selten 1 bis 2 Mitteldornen entspringen. Die 6 bis 18 unregelmäßig angeordneten, nadelförmigen Randdornen sind weiß bis gelblich und 5 mm lang.
Die Pflanzen ziehen sich während der Ruhephasen in den Boden zurück, sie sind somit Geophyten und somit nur während der Blüte zu finden.
Selbst mit Blüten sind die kleinen Pflanzen, die kaum aus dem Boden ragen, nur schwer zu finden. Die Blütenfarbe ist perfekt dem Boden angepasst.
Das ich hier einige Zeit zubrachte ist klar…und es entstanden reichlich Fotos.
Ich würde es nie übers Herz bringen und könnte hier Pflanzen ausgraben! Wenn dann hätte ich ja mindesten 5 Stück nehmen müssen um eine Nachzucht zu beginnen…so kann ich mich jedes Jahr im April freuen - denn ich weiß, das diese kleinen Pflanzen jetzt an eben diesem Standort wieder blühen! Und das wiegt sehr viel mehr als den Versuch ein paar Pflanzen illegal zu entwenden. Denn, diese Pflanzen sind streng geschützt und stehen auf der Artenschutzliste im Anhang 1. Ich schätze das Vorkommen an Pflanzen auf rund 50 Stück, wobei ich etliche sehr junge Pflanzen finden konnte, der Standort dort schient somit gesichert zu sein.
Irgendwann, ich habe mich nur schwer vom Standort trennen können, fuhr ich wieder zur 24 um wenige Meilen weiter Sclerocactus whrightiae zu suchen.
Dort angekommen sah das Gelände verdächtig nach Kakteen aus…und ich fand nach kurzer Suche tatsächlich S. whrigtiae. Die Pflanzen hatten recht große Knospen, Blüten waren keine zu sehen. Die Dornen waren schön derb & kräftig, prächtige Pflanzen eben. Ich suchte dort einige Zeit an verschiedenen Hügeln und Hängen, konnte dort aber nur sehr wenige Pflanzen finden. Jungpflanzen waren hier nicht zu finden.
Ich wechselte das Gelände, ging suchend so durch die Hügel als ein Wand aus Sand auf mich zukam! Was in aller Welt war das denn? Ein Sandsturm! Gut, es war hier und auch schon beim P. brday. var. winkleri recht windig, aber ein Sandsturm? Zum Überlegen kam ich nicht mehr, ich war mittendrin. Der Sand schmerzte an meinen nachten Armen, die Augen war voller Sand und tränten, die Ohren, die Nase – überall Sand. Ich kauerte an einem Hang im Sandsturm. Zum Glück hielt das nicht lange an. Ich rieb mir die Augen, meine Kamera! Um Gottes Willen, die ist sicher hin, alles voller Sand…
Wieder einiger maßen hergestellt kam nochmals ein kleiner Sandsturm auf, im Vergleich zu eben, harmlos, den ich noch photographien konnte. Zum Glück ist die D60 staubgeschützt und funktionierte nach abblasen, so gut es eben ging, noch einwandfrei.
Das Auto sah von außen recht gut aus – von innen jedoch eine Katastrophe, alles foller Feinstaub. Auch das Laptop, bei dem ich erst mal nur ganz vorsichtig den Staub wegwischte um ja kein Display zu zerkratzen. Jetzt kann ich es mir ausmalen, was ein richtiger, langer Sandsturm bedeutet. Wenn man das im Fernsehen sieht, das bisschen Sand…
Später im Radio dann: Spektakuläre Sandstürme in Utah…aha!
Ich musste weiter, heute stand noch das Capitol Reef an…aber erst einmal war ich am Navajo-Dome, musste Bilder machen und war auch schon in Fruita. Die Obstbäume waren in voller Blüte, ich war bei der alten Mormoneschule in Fruita wo noch bis 1941 unterrichtet wurde. Ich wollte den Innenraum im Bild festhalten, es gelang aber trotz Blitz, Polfilter und „ganz nah an die Scheibe gehen“ nicht. Schade.
Ich besuchte dort noch das Farmhouse-Museum, traf dort ein Deutsches Paar mit welchem ich mich einige Zeit unterhielt. Ich frage mich, was wohl in diesem Haus wirklich Original ist und was nicht?!
Ich fuhr die Straße ins Capitol Reef hinein um nochmals Pediocactus simpsonii zu finden, welchen ich ja damals nicht photographiert habe…und fand natürlich keine, obwohl die dort wachsen sollen…und es auch tun, nur eben nicht da, wo ich gerade war!
Das Capitol Reef bietet teils sehr farbige Sandsteine an, teilweise bis uns Grün gehend. Ein prächtiges Farbenspiel in prächtiger Kulisse!
Auch dieser Tag muss einmal zu Ende gehen und so fuhr ich weiter nach Torrey um mir ein Quartier zu suchen und fand es im „Days Inn“ – wieder mit einer Chlorverseuchungsanstalt, genannt Pool.
In Torrey war ich im Subways was zu Essen holen, Getränke hatte ich alles mit. Als ich von Subwas kam hielt vorm Hotel ein Auto, ein Mann kletterte heraus, sah mich an und meinte „Mir tun nach der langen Fahrt alle Knochen weh!“ Wie lang ist denn lang, fragte ich. 2 Stunden meinte er. Aha. Sein Autositz sei aber miserabel, dewegen die Probleme. Ob ich denn aus Deutschland käme, er habe dort studiert…wir standen vor dem Hotel und unterhielten uns über alles Mögliche. Wir hatten beide keine Eile, denn zu was in aller Welt will man in Torrey Eile haben? Höchstens da von da weg kommt...
Der Abend endete mit Internet, Abendbrot, reichlich zu Trinken und etwas Fernsehen…
Heute kann ich sagen, das dieser Tag der beste der gesamten Reise war, der Standort mit den blühenden P. bradyi var. winkleri war einfach ein Traum und ich genau auf den Tag zum richtigen Zeitpunkt dort! Natürlich darf ich hier auch nicht den Sclerocactus whrigthiae vergessen.
Gute Nacht!
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