Reisebericht zur 1. Kakteenreise – eine Reise zu den Sclero- & Pediocactus

7. April, von Grand Junction die 50Süd, Kannah Creek, Cottenwood Wash, Gute Nacht in der Prärie

Zum Glück gab es im „Two Rivers Inn“ in Grand Junction eine kleine Kaffemaschine und 2 Kaffepads im Zimmer. So konnte der 2. Tag meiner Kakteenreise wenigstens mit es etwas Warmen im Bauch und einem Salamisandwich beginnen.

Heute standen weiter Standorte von Sclerocactus auf dem Plan und es sollte zu Pediocactus brady gehen.

Ich fuhr kurz nach 7Uhr die 50 gen Süden. Nach einigen Meilen ging mein Weg links weg in die Kannah Creek Rd. Ich sah schon von weitem wieder die Zäune stehen und mein Standort natürlich mittendrin. Hier waren teils kleine Ranches und teils recht noble, große Häuser zu finden.

Ich parkte an einen Hang an den viele Opuntien wuchsen, da wo Opuntien zu finden sind, da sind meist auch andere, „richtige“ Kakteen zu finden. Es war Vormittag, alles menschenleer. Ich packte die übliche Ausrüstung und begab mich an den Hang. Keine 5 Minuten später kam ein Auto die Straße hoch und hielt an.  Eine Frau fragte „What are you doing?“ Es folgte meine Standartantwort, ich suche Kakteen, bestimmte, und möchte ein paar Fotos machen. „Cactus? Why???“ Mit einer deutlichen Betonung auf „Why?“. Es folgte meinerseits die Erklärung wo ich her komme, das ich Kakteensammler bin und ich mir die Pflanzen gerne mal am Standort ansehen würde…
Ich fragte noch ahnungslos, ist der Hang hier ihr Grundstück und wenn ja, kann ich weitersuchen. Nach einer recht freundlichen Antwort und etwas Smalltalk konnte ich meine Suche dort fortsetzen und konnte hier einiges an Kakteen finden. Das war es aber nicht und ich fuhr um einen kleinen Berg herum an einen vielversprechend aussehenden Berg an dessen Fuß eine sehr kleine Ranch lag, eher nur eine Art kleiner Hof.

Ich packte meine Ausrüstung und begab mich an den Hang. Die Sonne schien, der Wind ließ etwas nach und es wurde wärmer. Unten an dem Hof tat sich etwas. Eine Frau mit Hund kam auf den Hang zu und rief mir später etwas zu. Das konnte ich aber nicht verstehen, der Wind machte es unmöglich. Also gut, eh es noch Ärger gibt begann ich den Abstieg. Unten angekommen fragte die Frau freundlich „Can I help you?“ Es folgte, wie eben vor einiger Zeit, das Frage und Antwortspiel. Auch wieder die besondere Betonung auf „Cactus? Why???“ Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, eh ich wieder ins Auto stieg und zum nächsten Standort fuhr.

Ich konnte an diesem Hang Sclerocactus glaucus, spinosior finden, knospig, teils so, das man die violette Blütenfarbe erkennen konnte, aber kein blühendes Exemplar.


Ich  fuhr wieder auf die 50 gen Süden zum Escalante Canyon. Unten am Gunnison River angekommen suchte ich mir am Fuße eines Hanges, mein Standort, einen Parkplatz. Gegenüber war eine Ranch zu sehen, dahinter ein kleiner Steinbruch.
Am Hang fand ich die Gesuchten wieder nur knospig. Hier lernte ich auch die Dornen der Opuntien kennen, die gingen durch die Sohle meiner Wanderschuhe durch wie durch Butter. Ich hatte aber noch andere, bessere Schuhe mit, die danach mein ständiger Begleiter wurden.

Im Gelände habe ich einige Stunden zugebracht und fand sehr schöne weiß bedornte Opuntien, Opuntien aller Art, Echinocereus und verschiedene Blütenpflanzen.

Jedoch waren wiederum keine blühenden Pflanzen. Ich fand diesmal verblühte Blüten, große Knospen, aber keine einzige Blüte. Das war wirkliches Pech.


Am Nachmittag fuhr ich wieder die 50Nord nach Grand Junction. Von dort zur 70West. Am Exit 212 lang mein nächster Standort, Pediocactus brady spp. despainii im Cottenwood Wash. Hier folgte ich der Cottenwood Rd zu meinem Standort in die Prärie, dh. So weit es eben irgendwie ging.

Ich stand mitten in der Prärie in einer kleinen Senke. Zum Standort, dem Wash, war es noch ein gutes Stück. Hier war Laufen angesagt.
Ich packte meine Ausrüstung, machte den PDA mit meiner Geocaching-Software klar, markierte meinen aktuellen Standort (damit man sein Auto auch wiederfindet) und begab mich in Richtung meines Zieles. Der PDA gab dabei die Richtung zum Ziel durch hohe und tiefe Töne an, entsprechend ändert man seine Richtung nach links oder rechts. Wie eine Art Peilsystem geht das. Laut Display hatte ich hier noch ein paar Meilen vor mir.

Ich möchte an dieser Stelle etwas zum Gelände in dieser Prärie sagen und auch ein paar Worte zum Thema Wash & Kakteen verlieren.
Das Gelände dort besteht aus grobem Sand, Sand ein paar Grasbüscheln und Sträuchern in dem Wash. Der Boden wird teils von Höhlen bauenden Kleinsäugern bewohnt,  die ich nicht zu Gesicht bekam. Tritt man auf solch eine unterirdische Behausung, so bin mehrmals rund 20cm tief eingebrochen. Im freien Gelände sind recht häufig Ameisen zu finden. Hasen findet man auch ständig, und deren sterblichen Überreste.

Der Boden ist so fest, das man keine oder nur sehr geringe Fußspuren darauf hinterlässt. Der Sand ist teils steinhart. Und das ist auch der Grund für die Bildung der Washes. Wenn es in der Prärie Regen gibt, so kann das Wasser nur sehr schwer in den steinharten Boden dringen. Es sammelt sich in Senken, erste kleine Rinnsale entstehen. Diese sammeln sich wiederum und es entstehen Bäche. Gelingt es nun einem solchen die harte Oberschicht zu durchdringen, so trifft er unter dieser auf weichen Sand. Dieser Sand kann nun leicht weggeschwemmt werden. Hat das Gelände entsprechendes Gefälle, so entstehen hier auf fast ebenen Geländen teils metertiefe Bach/Flußläufe in welches sich teils nur zur Regenzeit das Wasser sammelt.

So auch beim Cottenwood Wash. Dieser ist direkt in das Gelände metertief eingeschnitten. Nach längerem Marsch befand ich mich nur noch wenige hundert Meter vom Ziel entfernt. Laut GPS-Gerät lag das Ziel direkt im Schwemmland des Washes.  Der Standort könnte somit richtig sein. Warum?
In den Washes und deren Schwemmgebieten am Rand ist das Wasser längere Zeit gesammelt, der Boden am feuchtesten. Hier können meiner Meinung nach die Samen der Kakteen besser keimen als im offenen Land, wo es nach dem Regen sofort wieder trocken wird. In den Washes bleibt es feucht und die Keimbedingungen sind wahrscheinlich besser.
Im Wash angekommen machte ich zwischen den Sträuchern im Sand auf die Suche nach den Kakteen. Ich fand Opuntien – sonst nichts. Ich habe den Wash und dessen Ränder mehrmals durchlaufen, ich fand keinen Pediocactus.
Der Standort könnte richtig sein, aber ich war sicher zu früh dort. Wasser war genügend da, es hatte einige Tage zuvor geregnet. Im Wash selbst lief das Wasser.

Teils war es im Wash recht gefährlich, weil man nicht erkennen konnte wie weit die Abbruchkante des Wash unterhöhlt war und abstürzen konnte.


Ich machte mich wieder auf den Rückweg. Ich versuchte teils anhand meiner Fußspuren zurück zu finden, es ging aber nicht, da ich teilweise auf dem harten Sand keine Spuren hinterlassen habe.

Meine ganze Kleidung, die Kamera, alles war mit einer Staubschicht bedeckt, obwohl nur ein recht geringer Wind über die Prärie wehte. Aber das sollte erst ein kleiner Vorgeschmack für später gewesen sein.

18.45 Uhr kam ich wieder am Auto an und war durch den Marsch doch ganz schön geschlaucht. Jetzt musste ich reichlich trinken um einer Dehydrierung vorzubeugen.

Ich stand mit dem Auto in einer kleinen Senke in der Nähe einer Pumpstation für eine Pipeline. Diese Pipeline lag einfach auf dem Boden, ab&an ein Schild „Vorsicht Pipeline“. Das war alles – in Deutschland undenkbar – hier überall so zu finden.
Ich beschloss gleich hier zu übernachten. Ich machte mein Nachtlager fertig, machte etwas zum Abendbrot, legte mich ans Auto und genoss den Abend und etwas später den Sonnenuntergang.

 

Gute Nacht!

 

Katze