Reisebericht zur 1. Kakteenreise – eine Reise zu den Sclero- & Pediocactus

16. April, mein Geburtstag, mein erster Kaktus am Standort Denver und in Grand Junction

Der Jetlag plagte mich, so das ich bereits 3 Uhr früh putzmunter war. Nur was tun? Ich hatte vom Reisebüro einen Gutschein für ein 5-Minuten Telephongespräch nach Hause in der Tasche, das telephonierte ich im Hotel ab. Da heute auch mein Geburtstag war hatte ich sicher auch E-Mails erhalten. Also erledigte ich den E-Mailverkehr. Im Fernsehen lief „Starwars“. 4.30Uhr…ich legte mich wieder ins Bett um dann 6Uhr „richtig“ aufzustehen.

Heute war mein 1.Tag auf Kakteensuche und ich war schon etwas nervös, ob das alles so mit meinen Standorten und deren Auffindung klappten würde.

Aber erst mal Frühstücken. Das amerikanische „Kontinentale Frühstück“ ist schlichtweg gesagt für den Deutschen nicht zu genießen. Das einzigste waren Waffeln, welche sich die Gäste selbst backen konnten. Donuts und Ahornsirup – pfui. Über den Kaffee brauche ich nichts zu sagen, das einzig Positive: er ist wenigstens warm.
Äpfel und Muffins bereicherten meiner Reiseverpflegung.

 

Es war nichts mehr von der Wärme des Vortages geblieben, da waren bei meiner Ankunft in Denver 24°C, es war kalt und windig und ich musste schon eine dicke Hose und Jacke anziehen. Kakteenblüten waren bei dem Wetter sowieso nicht zu erwarten.

7Uhr ging es von Hotel auf die Interstate 70 Richtung Westen. Dann in Denver auf die 58 nach Golden und rechts hoch auf die 93Nord.
Nach ein paar Meilen sollte hier mein erster Kontakt mit „freilebenden“ Kakteen sein…

Ich parkte an einer Kreuzung, stieg aus dem Auto und fand direkt im Gras am Straßenrand meine erste Kaktee am Standort. Es war eine Opuntia – von der Qualität her das Miserabelste was zu finden war. Ein Bilde musste her. Nein, solch einen Müllhaufen konnte ich nicht fotographieren und entschied mich für das Nachbarexemplar.
3 Schritte weiter fand ich die von mir gesuchten Echinocereus viridiflorus. Es war ein schönes Gefühl, erstmals eine gesuchte Pflanze an ihrem natürlichen Standort zu finden! Die stehen da so einfach ohne Topf rum, das ganze Jahr über…
Schnell fand ich weitere gesuchte Pflanzen, wieder die Opuntien, und Yuccas.

Die Echinocereus viridiflorus stehen allesamt in einem sandig-humosen Substrat das recht grob ist. Da die Pflanzen im Gras wachsen, oder direkt am Rand von Büscheln, kann ich mir vorstellen, dass im Sommer der Standort teils schattig ist. Die Pflanzen waren teils noch etwas in das Substrat eingesunken, größtenteils aber schon voll Wasser gezogen und zeigten allesamt Knospenansätze. Blühende Exemplare waren nicht zu finden.

Für mich war es wichtig die Pflanzen an ihrem Standort zu finden, zu sehen, sich daran zu freuen und zu fotographieren! Wenn sie dabei noch blühen sollten – dann umso besser. Ich habe mich jedoch zu keinem Zeitpunkt über nicht blühende Pflanzen geärgert. (die für mich schönsten Pflanzen konnte ich allerdings in voller Blüte genießen, später mehr dazu)

Hier machte ich Bekanntschaft mit einer, sich als später sehr störend erweisenden Einrichtung: den allgegenwärtigen Zäunen und Absperrungen! Es ist kaum möglich abseits von Straßen Gelände zu betreten, doch auch davon später mehr.

Zurück zu den Kakteen. Ich fand ohne Unterbrechung E. viridiflorus, meist einzeln stehend, aber auch locker in Gruppen, selten in direkter Gruppe. Die Größe der Pflanzen betrug rund 4-5cm Höhe, Durchmesser entsprechend. Ich konnte jedoch nur eine Jungpflanze finden. Manche Exemplare zeichneten sich durch einen sehr ausgeprägten, derben Mitteldorn aus, welcher mir von Kulturpflanzen nicht bekannt ist.
Neben der Kreuzung schob ein Planierraupe eben das Gelände ab um für eine Baustelle, die später nach 14 Tagen schon wieder weg war, Platz zu machen…

Die ganze Zeit über war es kalt und windig und ich war froh wieder im Auto zu sitzen. Hier übte ich eine Art Ablauf ein, welcher sich später immer wiederholen sollte: Sachen im Auto einpacken, schultern, Kamera fertig machen, Loslaufen und Suchen und dann das Ganze wieder ins Auto einpacken.

Mein Nächster Punkt sollte mich gleich in die Nähe zu Escobaria missouriensis führen. Diese Pflanze wächst in feuchten Senken in Wiesen. Nach kurzer Fahr war ich am Habitat angelangt, packte meine Ausrüstung und wollte ins Gelände. Der Standort war wie beschreiben, die feuchten Senken im Gelände war zu sehen.

Nächstes Übel, auch das hat mich die gesamte Reise über behindert, …do you need permitt…

Das Habitat befindet sich auf einem gesperrten Gelände, welches nur mit einer Lizenz der Stadt Denver zu betreten ist. In diesem Fall ist es ein Vogelschutzgebiet für Bodenbrüter. Ich sah recht große grasgrüne Vögel die sich augenscheinlich gerade in der Balz befanden.
Schade, aber da kann man nichts machen, Schutzgebiet ist eben halt Schutzgebiet. Das war schon traurig, da ich mit diesem Standort fest gerechnet habe.

Ich fuhr wieder zur 70 runter und gen Westen Richtung Grand Junction.
Die Fahrt ging durch die Rocky Mountens, die waren noch voller Schnee um die Jahreszeit gen Westen. Überall sind Schilder zu sehen die vor Steinen und Geröll auf der Fahrbahn warnen. Und das ist auch nötig, denn dort lagen teils ganz schöne Brocken auf den Fahrbahnen. Hier sah auch auch eine Art Schneepflug – nur der beseitigte nicht etwa Schnee, sondern der schob das Geröll vom Highway…

Die Fahrt auf der Interstate70 verlief dank Tempolimit sehr ruhig. Doch was war das? Meine Tankanzeige ging deutlich nach unten. Wie das denn, ich habe ja das Auto vollgetankt übernommen. (hier zeigte sich, was Alomo unter vollgetankt versteht)

 

An der 70 fuhr ich runter an eine Tankstelle, die kommen hier reichlich. Das 1. Tanken stand an. Ich fuhr an die Zapfsäule die mir sympathisch war. Ich ging in den Laden zur Tankstelle, sagte ich möchte mein Auto volltanken, wie geht das nun vor sich.
Die Frau sagte freundlich, kein Problem, ich solle nach draußen gehen und an der Säule den Button „ Pay Inside“ drücken. Der Rest stehe im Display und nach dem Tanken bezahle ich drinnen mit Karte. OK!
Ich also raus, und „Pay Inside“ gedrückt. Im Display stand „Please wait…“. Nach einiger Zeit wurde es mir zu lang und ich ging wieder rein. Die freundliche Frau erklärte es mir nochmals. Ich wieder raus, Taste, Warten… Ich wieder rein, es geht nix da an der Tanke.
Die Frau meinte, sie könne nicht mit raus, sie ist momentan gerade allein. Ich also wieder raus. Kann doch nicht so schwer sein Benzin aus der Säule zu bekommen…

Zum Glück war ich dort allein und keiner konnte sich über mich lustig machen.

Nach dem x-ten Versuch ging es natürlich wieder nicht. In dem Moment kommt ein Mann und meint, bei der Säule geht „Pay Inside“ nicht, die Freischaltung der Säule aus dem Laden raus wäre kaputt. Ich solle doch eine Säule weiterfahren, da geht das problemlos. Bitte? Und ich probiere hier stundenlang…
An der nächsten Säule konnte ich dann wirklich problemlos mein Auto befüllen! Soviel zum Thema: mein 1. mal Tanken in den USA.


Wieder auf der 70West unterwegs näherte ich mich einem weiteren Standort. Da ich diesen nicht unbedingt besuchen musste, die Kakteen die hier zu finden gewesen wären würde ich später noch sehen, machte ich mir wenig Gedanken wie denn an diesen Standort ranzukommen sei. (ein Thema, was später völlig andere Dimensionen annehmen sollte – wie an den Standort rankommen)

So bin ich bei der Ausfahrt 62 in DeBeque runter auf die US-6 gefahren. Doch war hier an den Standort, wie ich nach einiger Zeit merkte, nur sehr umständlich über das Hinterland, wenn überhaupt, zu kommen. Ich brach die Aktion hier ab und fuhr zurück auf die 70West.

In Grand Junction angekommen, es war 14Uhr, machte ich mich auf die Suche nach Standorten von Sclerocactus glaucus, welche direkt am Ortsrand in Richtung Colorado National Monument liegen sollten.
Meine Fahrt ging durch Grand Junction Richtung Süden. Durch ein recht nobles Wohnviertel, an einem Golfplatz vorbei zu den Standorten. Dort angekommen musste ich feststellen, das diese tatsächlich in den Gärten der Nobelhäuser liegen…es gab jedoch einige Gebiete, die weder durch Zaun noch sonst etwas abgegrenzt waren und an einem recht steilen Hang lagen. Dieser Hang wurde mein Zielgebiet.
Hier konnte ich dann auch den gesuchten Sclerocactus glaucus  finden. Das Substrat ist auch dort recht sandig, locker und scheint sehr durchlässig zu sein. Begleitpflanzen waren hier Kiefer und Wacholder und ein paar andere Büsche. Die Sclerocactus glaucus hatten alle schon recht große Knopsen, jedoch blühte keine Pflanze. Ich schätze die Blüte auf eine Woche später. In Gesellschaft fand ich noch knospige Echinocereus spec. Opuntien waren auch hier selbstverständlich.

Einige Meter weiter konnte ich noch Pediocactus simpsonii finden. Diese Pflanzen wuchsen dort in einer Gruppe, was mir recht ungewöhnlich erscheint. Diese Pflanzen waren gerade in voller Blüte, aber dank des kalten, trüben Wetters waren die Blüten geschlossen.

So ging der Nachmittag mit Kakteensuche im Feld zu Ende, es dunkelte bereits und ich überlegte ob ich im Auto oder in einem Motel übernachten sollte. Ich fand in GJ das Motel „Two Rivers Inn“, recht preiswert und wie überall üblich, mit WLAN ausgerüstet. Ich bezahlte im Voraus, bekam das Passwort für das WLAN mit dem Zimmerschlüssel ausgehändigt. Das Zimmer war recht groß, sauber, Dusche und Bett ok.

Es folgten, wie später immer üblich, der E-Mailverkehr und der Besuch diverser Internetseiten, so auch dem „Forum Discover Amerika“.

 

Mein 1. Tag auf der Kakteentour ist viel besser gelaufen als ich erwartete! Gut, die E. missouriensis konnte ich nicht aufsuchen, aber ich hatte ja noch einen weiteren Standort parat.
Ich fand den Echinocereus viridiflorus (zu dieser Pflanze habe ein recht gutes Verhältnis und diese Art ist fast der einzige Echinocereus in meiner Sammlung).
In GJ konnte ich Sclerocactus glaucus & spinosior finden, dazu ein paar Echinocereus, die allgegenwärtigen Opuntien und einige Yuccas.

 

Gute Nacht!

 

Katze