Vorstellung meines Aussaat- & Vermehrungskasten!
Nach dem ich nun schon etliche Modelle eines regelbar beheizten und beleuchteten Aussaat- und Vermehrungskastens gebaut habe, angefangen vor über 20 Jahren, habe ich nun ein Modell entwickelt, das hoffentlich die „Endlösung“ ist.
Es sind etliche Punkte eingeflossen, welche unbedingt notwendig sind, und welche, die mir von anderen Projekten her verbesserungswürdig erschienen sind.
Das wären unter anderen:
• leicht herzustellen
• kompakter und modularer Aufbau, aus Unter- Mittel- Ober- & Deckelteil
• geeignet zur Aussaat, Vermehrung und für Pfropfungen
• wasserdichte & isolierende Unterschale, mit Heizung
• regelbare Heizung mit Nachtabsenkung
• energiesparende & dem verwertbaren Spektrum der Pflanzen nahekommende Beleuchtung
• leicht zu reinigen und zu demontieren
• nur ein Stromanschluß notwendig
• optisch ansprechend
Aus diesen und weiteren Punkten ergab sich folgende Idee.
Es sollte ein drei(vier)teiliger, flexibeler und verschieden kombinierbarer Aufbau, mit dem Maßen von rund 65cm*45cm Grundfläche werden, Grundlage ist die Größe der Heizmatte mit 60*40cm:
• ein Teil bildet die wasserdichte Unterschale mit der Heizung
• ein Deckelteil, welches sowohl auf die Unterschale, auch das Mittelteil passt
• ein Mittelteil aus Acrylglas
• ein Oberteil mit der Lampeneinheit
Zum Unterteil:
Hierfür verwende ich Schaum-PVC mit einer Wandstärke von 1cm.
Dieses Material bekommt man in Werbefirmen, welche Schilder-Werbung herstellen.
Diese Schaum-PCV-Platten sind weiß, absolut eben & wasserdicht, hoch wärmeisolierend, können wie Holz gebohrt, gefräst und gesägt werden. Mit einem speziellen PCV Kleber, TANGIT PVC-U Spezialkleber, gibt’s in jedem Baumarkt, auch wasserdicht geklebt werden.
Alle Teilen werden vorgebohrt, die Schraubenköpfe angesenkt, und dann mit dem Kleber, dieser ist innerhalb von 30Sekunden unverrückbar fest(!), verklebt. Erst die Seitenteile, zum Schluss die Bodenplatte montieren. Hier wirklich absolut genau arbeiten, das zahlt sich später beim einpassen der Deckplatte aus Acryl aus. Durch den Kleber wird das Ganze absolut wasserdicht. Zu letzt dann noch eine Klebenaht innen an alle Kanten ziehen um ganz sicher zu gehen, das es auch wasserdicht.
Als Heizung dient eine 60cm*40cm große wasserdichte(!) Heizmatte. Diese gibt’s bei eBay recht günstig. Hierbei darauf achten, die diese nicht nur ‚spritzwassergeschüzt‘ sondern wirklich ’wasserdicht‘ ist.
Zu unterst kommt eine 1,5cm dicke Styroporplatte in das Unterteil. Darauf eine Lage ‚Goldfolie‘ aus einer Rettungsdecke, welche die Wärmestrahlung reflektiert. Dann eine dünne Sandschicht, die Heizmatte, und zum Schluss noch eine Lage Sand. Dicht unter dieser wird der Temperaturfühler des Heizungsreglers gelegt.
Der Deckel:
Er besteht aus 4mm Acrylglas und kann sich somit nicht biegen. Der Deckel liegt, ich beschreibe nur die Lage im Unterteil, schräg im Unterteil, aber so, das er samt Griffen nicht über die Oberkante von Unter- & Mittelteil ragt.
Dazu ist im Unterteil eine 0,5cm breite Schaum-PCV-Leiste etwa 5mm von der Oberkante entfernt an einer Längsseite geklebt. Das Gegenstück etwa 2cm von der Oberkante entfernt auf der gegenüberliegenden Längsseite. Somit kommt die Platte schräg zum liegen und Kondenswasser läuft ab und die Acrylabdeckung ragt an keiner Stelle über das Unterteil. Zusätzlich wurde die Unterseite mit einer Nano-Versieglung wasserabperlend behandelt. Auf die Platte sind zum Abheben zwei Griffe geklebt, welche nicht über die Oberkante Unterteil ragen. Denn irgendwie muss man das Teil ja wieder rausbekommen und abheben können! Diese Acrylplatte ist, dank genauer Arbeit beim Kleben des Unterteils absolut passgenau. Lediglich in den Ecken muss etwas abgefeilt werden, das kommt durch den Kleberand.
Das Mittelteil:
Das ist noch nicht fertigstellt, sieht aber so aus. 4 Wände aus 4mm Acryl, verleimt, mit Winkeln in den Ecken. Das hält 100-pro! Höhe 30cm. Die Maße sind so, das dieser Mittelteil an den Innenkanten(!) des Unterteils abschließt. Jetzt werden innen an das Mittelteil noch ringsum 2cm hohe Streifen aus Acryl 2mm dick angeklebt. Diese Streifen sitzen zu 1cm auf dem Mittelteil, mit diesem verklebt, und ragen mit dem anderen 1cm in das Unterteil. Da die Verklebung flächig ausgeführt wird, wird das Kondenswasser sicher von dem Wänden in die Unterschale geleitet und nichts gelangt nach draußen!
Die Oberkante des Mittelteil erhält die selbe Auflage für den Deckel wie das Unterteil.
Hebt man das Mittelteil ab, so kann man sehr leicht an seine Pflanzen kommen.
Das Oberteil:
Hier habe ich komplett mit 1cm Sperrholz gearbeitet. Der Kasten hat ein Lichte Höhe von 5cm und ist unten offen.
Außen ist mit umweltfreundlichen Acryllack weiß lackiert worden.
Innen ist alles komplett mit Alufolie ausgekleidet, nachdem die Elektrik montiert wurde. Kabel mit Heißkleber fixieren. Die Alufolie klebt man sehr leicht mit in ein wenig heißem Wasser aufgelöster Gelatine. Holz satt einpinseln und die schon zurechtgeschnittenen Alufolien Stücke rasch aufkleben. Das gibt eine sehr gut haltende, flächige Verbindung!
Zur Entlüftung des Lampenkastens sind in den Deckel etliche 8mm Löcher gebohrt. Diese sind besonders an den Enden der LSR’s wichtig. Weiterhin sind rings um das Oberteil unten Streifen aus 4mm Sperrholz geklebt, welche eine Kaltluftzufuhr ermöglichen. Aber das sieht man schön im Bild!
Zu den Lampen:
Hier habe ich mit einem Mitarbeiter von OSRAM gesprochen. Ich wollte eine Beleuchtung, welche ein für Pflanzen verwertbares Lichtspektrum erzeugt und energiesparend ist!
Dafür kommen nur LSR’s in Kombination mit einem EVG in Frage. (LSR‘ s = Leuchtstofflampen, EVG = Elektronisches Vorschalt-Gerät) Hier entscheide ich mich für 4 Stück LSR á 18W.
Um meinen Vorgaben zum Lichtspektrum zu entsprechen, kommen hierfür eigentlich nur OSRAM FLUORA 77 oder OSRAM 965 BIOLUX in Kombination mit einer OSRAM 880 Skywhite in Frage.
Warum? Die Fluora erzeugt Licht hauptsächlich im Roten und Blauen Spektrum, welches für die Pflanzen verwertbar ist. Licht im Gelben und Grünen wird fast nicht erzeugt, da es für die Pflanzen eh unwichtig ist. Die Skywhite 880 erzeugt Licht mit hohen Blauanteil, siehe Grafik und die PDF-Datei am Ende des Beitrages zum Download.
Kombiniert man beide Lampen, ich verwende je 2 Stück Fluora und Skywhite, so erhält man ein sehr gut optimiertes Spektrum! Siehe hier zu das Bild im Angang, in welches ich beide Spektren der Lampen in eine Grafik montiert habe.
Weiterhin verwende ich ein EVG, ein Elektronisches Vorschalt-Gerät für die LSR’s. (LSR‘ = Leuchtstofflampen) Typ PHILIPS 3/4 * 18 TL-D, nicht dimmbar. An dieses eine EVG können alle 4 LSR’s gleichzeitig angeschlossen werden!
Dieses startet die Lampen, im Gegensatz zu den früher üblichen Drosseln mit Starter, durch schonendes vorwärmen der Wendeln in den Lampen und einem HF-Impuls. Das EVG wird im Betrieb von den 4*18W LSR’s nur handwarm. Wenn ich an die Verwendung von 4 Drosseln denke, die alle doch recht warm werden, eine energiesparende Maßnahme. Weiterhin wird die Lebensdauer, der doch nicht ganz billigen Lampen, wesentlich verlängert.
Die Elektronik:
Die Temperatur mit Nachtabsenkung wird über einen elektronischen Thermo-Timer, einer Kombination aus Schaltuhr und Temperaturregler geregelt. Innerhalb von 24h sind 3 unterschiedliche Kombinationen aus Zeit & Temperatur möglich. Somit kann eine Nachtabsenkung sehr leicht realisiert werden. Bezugsquellen siehe am Ende des Beitrages. Siehe unbedingt hier eine Info des Herstellers zum Thermo-Timer: wichtige Herstellerinfo
Die andere Schaltuhr schaltet lediglich das Licht an und aus. Ich hatte noch eine elektronische Schaltuhr übrig, es tut es hier aber auch eine simple mechanische Schaltuhr für 1,–€ aus dem Baumarkt.
Die beiden Steckdosen sind auf einer 1cm dicken Schaum-PVC-Platte montiert und verkabelt. Nach Fertigstellung habe ich diese einfach aufgeklebt.
Die Kabel für die Heizung und den Temperaturfühler habe ich durch ein Loch, welches möglichst hoch im Unterteil liegen sollte, in den Immenraum geführt. Das ist gut auf den Bildern zu erkennen.
(In beide Zuleitungen, einmal Gesamtgerät und einmal zur Lampe, sind zwei Ferritperlen, aus der PC-Technik, eingeklemmt. Diese halten Störstrahlung in den Netzleitungen ab. Diese nicht zwingend nötig)
Das wär’s im Groben zum Aufbau der ‚Kastens‘! Ich hoffe, ich habe keine wesentlich Dinge vergessen.
Erfahrungen nach einem Jahr:
Nach dem nun fast ein Jahr vergangen ist und ich meinen Saat- & Vermehrungskasten gut nutzen konnte, hier ein Erfahrungsbericht.
Als erstes wurde der Mittelteil, wie beschrieben, gefertigt. Alles passt sehr gut und funktioniert wie gewünscht. (für die Pfropfungen)
Das Schaum-PVC verzieht sich nicht, auch bei großen Temperaturunterschieden und Schwankungen. Dadurch sehr gute Passgenauigkeit der Deckel und aller Teile-
Die gesamte Konstruktion ist sehr stabil und lässt sich auch mit Inhalt sicher transportieren. Die Klebestellen sind praktisch unlösbar.
Der Lampenkasten sieht aus wie am ersten Tag; die LSR's sind, dank des EVG's, in einem 1A Zustand. Also ohne die bekannten schwarzen Enden an den Glühwendeln. (es wird ja, dank EVG, nicht mehr vorgeglüht)
Die Wahl der Lichtfarben/Lichtmischung hat sich als sehr gut erwiesen! Es findet keinerlei Geilwachstum statt. (es besteht ja auch ein gewollter Blauüberschuss in der Lichtmischung)
Die Temperaturen im Kasten lassen sich hervorragend regeln, selbst bei großen Differenzen zwischen Aussen & Innen.
Fazit: eine Anschaffung die sich gelohnt hat! Der 'Kasten' ermöglicht es ohne große Betriebskosten, dank EVG und guter Isolierung, ganzjährig, autark zu kultivieren.
Bezugsquellen + Download:
• PDF-Datei von OSRAM zum Lichtspektrum und der Verwendung der verschieden LSR’s Download
• Schaum-PVC gibt’s es in Werbefirmen, nicht im Baumarkt
• Der Spezialkleber ist von TANGIT, PCV-U Spezialkleber für PCV-Rohre und Dachrinnen
• LSR’s können in etlichen Elektroläden bestellt werden, ebenso EVG’s.
• Bei der Firma www.lud.de kann man das komplette Sortiment bestellen, wie Halterungen zum Aufschrauben für die LSR’s, die LSR’s selbst und auch das EVG
• Den Thermo-Timer, das Gerät heißt so, bekommt man am preiswertesten bei einem eBay-Händler, mit Garantie
• Wichtige Info zum Thermo-Timer des Herstellers: wichtige Herstellerinfo

Gesamtansicht des Aussaatkastens

der Lampenkasten, unten offen

Schaltuhren und Temperaturregler (Nachtabsenkung, b.z.w. 3 unterschiedliche Temperaturen pro Tag möglich)

das EVG

das Mischspektrum der verwendeten LSR's, Blau & Rot überwiegen (pflanzenverwertbare Teile)
Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung!
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